Stech­mücken: Es kommen neue Arten hinzu

Die Asiatische Tiger­mücke ist eine ursprünglich in den süd- und südost­asia­ti­schen Tropen und Subtropen behei­matete Stech­mü­ckenart. Sie ist als Überträger von Krank­heits­er­regern wie beispiels­weise dem Zika-Virus, dem Chikun­gunya-Virus und dem Dengue-Virus bedeutsam. In den letzten Jahrzehnten wurde die Asiatische Tiger­mücke durch Waren­trans­porte und Reise­tä­tig­keiten weltweit verschleppt. Seit den 1990er Jahren verbreitet sie sich auch in Europa. Foto: James Gathany, CDC, Lizenz: Gemeinfrei

Stech­mücken: Es kommen neue Arten hinzu

In Öster­reich sind rund 50 Stech­mü­cken­arten bekannt – und es kommen neue poten­ziell invasive Arten hinzu, wie eine soeben präsen­tierte Studie der Vetmeduni Vienna zeigt. Demnach verbreiten sich in Tirol mehrere ursprünglich aus Asien stammende Stech­mü­cken­arten. Damit steigt auch das Risiko für die Übertragung gefähr­licher Viren wie Dengue, Chikun­gunya und Zika. Die Forsche­rInnen empfehlen deshalb die Überwa­chung der Stechmückenfauna.

Die zentralen Ergeb­nisse der Studie sind wenig erfreulich: Es gibt erste Anzeichen dafür, dass sich die asiatische Tiger­mücke (Aedes albopictus) etabliert, also in Tirol überwintert und nicht jedes Jahr neu einge­schleppt wird. Die japanische Busch­mücke (Aedes japonicus) ist mittler­weile in Tirol heimisch, so wie auch in allen anderen Bundes­ländern in Öster­reich. Außerdem gelang den Forsche­rInnen der erstmalige Nachweis in Öster­reich für eine weitere Stech­mü­ckenart: die korea­nische Busch­mücke (Aedes koreicus).

Dazu Studi­en­erst­autor Hans-Peter Führer vom Institut für Parasi­to­logie der Vetmeduni Vienna: »Der Nachweis der asiati­schen Tiger­mücke, der japani­schen Busch­mücke und der korea­ni­schen Busch­mücke ist für die Bevöl­kerung, für die öffent­liche Gesundheit und für die relevanten Entschei­dungs­träger von großer Bedeutung. Vor allem die asiati­schen Tiger­mücken können gefähr­liche Krank­heits­er­reger wie Dengue, Chikun­gunya und Zika übertragen. Einhei­mische Stech­mücken sind dazu nicht in der Lage. Außerdem haben die neuen Stech­mü­cken­arten einige weitere unange­nehme Begleit­erschei­nungen, da sie sehr lästig sind, in großen Massen auftreten können und auch tagsüber stechen.«

Verbreitung entlang von Autobahnen und in Städten

Unter­sucht haben die Forsche­rInnen die Verbreitung der Stech­mücken mit sogenannten Ovitraps, einer Vorrichtung, auf der die Stech­mücken ihre Eier ablegen. Im Rahmen des wissen­schaft­lichen Mücken­über­wa­chungs­pro­gramms wurden von Mai bis Oktober 2018 an 67 Stand­orten wöchentlich Ovitraps aufge­stellt – 17 in Osttirol und 50 in Nordtirol. Die Probenahme erfolgte auf Autobahnen sowie in städti­schen und ländlichen Gebieten. Die Verbreitung der stechenden Neuan­kömm­linge ist bereits recht hoch: An 18 von 67 Stand­orten (27 Prozent) wurden Eier gebiets­fremder Stech­mücken gefunden. Sowohl die asiatische Tiger­mücke als auch die japanische Busch­mücke wurden auf Autobahnen und in städti­schen Gebieten in Ost- und Nordtirol dokumen­tiert. Die korea­nische Busch­mücke konnte zudem in Osttirol erstmals nachge­wiesen werden.

Hans-Peter Führer zum Grund für den häufigen Nachweis auf Autobahnen: »Gebiets­fremde Mücken­arten werden vorwiegend durch Güter­transfer einge­schleppt, sie können aber auch einfach mit dem Auto mitfahren. Daher sind Autobahnen die wichtigsten Eintritts­pforten für invasive Mücken­arten. Bereits in früheren Jahren wurde die asiatische Tiger­mücke entlang der Inntal­au­tobahn gefunden. Neu sind aber wieder­holte Nachweise im städti­schen Gebiet, konkret in Innsbruck, Kufstein und Lienz.«

Weitere Überwa­chung für öffent­liche Gesundheit wichtig

Stech­mücken (Culicidae) – weltweit gibt es rund 3.500 Arten – sind aufgrund ihrer Fähigkeit, verschiedene Krank­heits­er­reger zu übertragen, für die Gesundheit von Mensch und Tier von großer Bedeutung. In Europa haben Mücken für die öffent­liche Gesundheit mit der Etablierung gebiets­fremder Stech­mücken der Gattung Aedes in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Durch die Tiger­mücke kommt es immer wieder zu lokalen Übertra­gungen der poten­ziell lebens­be­dro­henden Virus­er­kran­kungen Dengue und Chikun­gunya, etwa in Frank­reich und Italien. »Aufgrund unserer Ergeb­nisse ist eine fortlau­fende Überwa­chung der neuen Mücken­arten dringend erfor­derlich«, so Führer.

Origi­nal­pu­bli­kation: Der Artikel »Monitoring of alien mosquitoes in Western Austria (Tyrol, Austria, 2018)« von Hans-Peter Führer, Ellen Schöner, Stefanie Weiler, Bita Shahi-Barogh, Carina Zittra und Gernot Walder wurde in PLOS Neglected Tropical Diseases veröf­fent­licht. https://journals.plos.org/plosntds/article?id=10.1371/journal.pntd.0008433

Textquelle: Nina Grötschl, Veteri­när­me­di­zi­nische Univer­sität Wien

Bildquelle: Die Asiatische Tiger­mücke ist eine ursprünglich in den süd- und südost­asia­ti­schen Tropen und Subtropen behei­matete Stech­mü­ckenart. Sie ist als Überträger von Krank­heits­er­regern wie beispiels­weise dem Zika-Virus, dem Chikun­gunya-Virus und dem Dengue-Virus bedeutsam. In den letzten Jahrzehnten wurde die Asiatische Tiger­mücke durch Waren­trans­porte und Reise­tä­tig­keiten weltweit verschleppt. Seit den 1990er Jahren verbreitet sie sich auch in Europa. Foto: James Gathany, CDC, Lizenz: Gemeinfrei