Selbst­re­gu­lation des Gehirns durch Meditation

Proband im MEG, Foto: Reinhard Blumen­stein, LIN

Selbst­re­gu­lation des Gehirns durch Meditation

Was geschieht im Gehirn, wenn man beginnt, das Meditieren zu erlernen? Milli­arden von Neuronen sorgen dafür, dass wichtige Infor­ma­tionen verar­beitet und unwichtige ignoriert werden. Meditation als Technik der Selbst­re­gu­lation kann helfen, diese Fähig­keiten noch zu verbessern. Ein Forschungsteam um Dr. Stefan Dürschmid und Dr. Matthias Deliano am LIN hat in den elektro­phy­sio­lo­gi­schen Wellen des Gehirns nach Spuren der Meditation gesucht und gezeigt, dass der Grund­stein für eine verbes­serte Infor­ma­ti­ons­ver­ar­beitung schon bei der ersten Medita­ti­ons­übung gelegt wird.

Die Forschenden haben in ihrer Studie unter­sucht, ob Achtsam­keits­training neuronale Netzwerke auf einen kriti­schen Zustand einstellt und dafür die höhere zeitliche Auflösung von Hirnak­ti­vität mittels Magne­ten­ce­pha­lographie (MEG) genutzt. Sie führten eine frequenz­spe­zi­fische Analyse der Kriti­ka­lität im MEG durch, welches aufge­zeichnet wurde, während sich die Probanden durch Achtsam­keits­me­di­tation in einem definierten kogni­tiven Zustand befanden.

Meditation erfordert achtsame, fokus­sierte Aufmerksamkeit

Wenn sich Menschen ohne jegliche Medita­ti­ons­er­fahrung ausschließlich auf Ihre Atmung konzen­trieren, wird die neuronale Aktivität über weite Teile der Hirnrinde hinweg optimal koordi­niert – der neuronale Schlüssel zur Achtsamkeit.

»Im Gegensatz zum Ruhezu­stand erfordert achtsame, fokus­sierte Aufmerk­samkeit, dass man das Wandern der Gedanken bemerkt und unter­drückt und sich immer wieder neu auf den Atem konzen­triert. Es geht also um ständige Überwa­chung und exekutive Kontrolle, insbe­sondere bei Anfängern«, so Stefan Dürschmid. »Dies könnte durch Hirnzu­stände umgesetzt werden, die an einem insta­bilen kriti­schen Punkt zwischen Ordnung und Unordnung, der Kriti­ka­lität, ausba­lan­ciert sind und eine flexible Fokus­sierung der Aufmerk­samkeit ermöglichen.«

In ihrer Studie vergleichen die Autoren eine Gruppe von Probanden, die Achtsam­keits­me­di­tation durch­führten, mit einer Gruppe in Ruhe. Bei den Medita­tions-Neulingen wurde eine einfache Achtsam­keits-Atmungs­aufgabe gestellt.

Die Wissen­schaft­le­rinnen und Wissen­schaftler fanden heraus, dass hochfre­quente Aktivität des Gehirns im Vergleich zum Ruhezu­stand Kriti­ka­lität zeigt, wobei der frontale Kortex neuronale Aktivi­täts­kas­kaden auslöst und diese Aktivi­täten durch andere kortikale Regionen führen als im Ruhezu­stand. Mit der Studie konnten sie zeigen, dass Meditation lokale funktio­nelle Verän­de­rungen des Gehirns verur­sacht, was die damit verbundene Verbes­serung der Infor­ma­ti­ons­ver­ar­beitung erklärt.

Textquelle: Isabell Redels­torff, Leibniz-Institut für Neurobiologie

Bildquelle: Proband im MEG, Foto: Reinhard Blumen­stein, LIN