RKI: Eine Impfstoff­dosis weniger für Säuglinge

Vater mit Tochter. Foto: Kiefer.Wolfowitz, Lizenz: CC BY-SA 3.0

RKI: Eine Impfstoff­dosis weniger für Säuglinge

Die Ständige Impfkom­mission (STIKO) hat ihre Empfehlung für die Sechs­fachimpfung im Säuglings­alter aktua­li­siert und empfiehlt jetzt das reduzierte »2+1‑Impfschema«. Dieses sieht – bei vergleich­barem Impfschutz – für die Grund­im­mu­ni­sierung von Säuglingen eine Impfstoff­dosis weniger vor als beim bishe­rigen 3+1 Schema. Die Sechsfach-Impfung schützt gegen Diphtherie, Tetanus, Pertussis, Polio­mye­litis, Haemo­philus influ­enzae Typ b und Hepatitis B. Die aktua­li­sierte Empfehlung und die wissen­schaft­liche Begründung sind im Epide­mio­lo­gi­schen Bulletin 26/2020 veröffentlicht.

Mit der Reduktion des Impfschemas verfolgt die STIKO die Ziele, den Impfplan zu verein­fachen, Arzttermine für Säugling und Eltern einzu­sparen und so die zeitge­rechte und vollständige Umsetzung der Sechs­fachimp­fungen für Ärzte und Eltern zu erleichtern. Die verfüg­baren Sechs­fachimpf­stoffe sind für beide Impfschemata zugelassen.

Um einen sicheren Impfschutz zu vermitteln, ist es bei diesem reduzierten Impfschema besonders wichtig, frühzeitig im Alter von acht Wochen mit der Impfserie der Grund­im­mu­ni­sierung zu beginnen und die folgenden Impfungen zu den empfoh­lenen Zeitpunkten im Alter von vier und elf Monaten durch­zu­führen. Für einen zuver­läs­sigen Langzeit­schutz ist es besonders wichtig, zwischen der 2. und 3. Impfstoff­dosis einen Abstand von mindestens sechs Monate einzu­halten (daher die Bezeichnung »2+1«). Es ist empfohlen, die Impfserie um den ersten Geburtstag abzuschließen, damit die Klein­kinder auch bei frühem Kinder­gar­ten­ein­tritt geschützt sind. Die Empfehlung der zeitge­rechten Impfung galt auch schon für das 3+1 Schema (mit drei Dosen in kurzem Abstand und einer Dosis nach längerem Abstand), aller­dings wurde in Deutschland gesehen, dass nur ein kleiner Anteil der Säuglinge zu den empfoh­lenen Zeitpunkten geimpft wird.

Frühge­borene, die vor der vollendeten 37. Schwan­ger­schafts­woche geboren sind, sollten aufgrund des noch nicht ausge­reiften Immun­systems weiterhin nach dem 3+1 Schema geimpft werden und Impfungen im Alter von zwei, drei, vier und elf Monaten erhalten.

Die seit Jahrzehnten erfolgte routi­ne­mäßige Grund­im­mu­ni­sierung von Säuglingen gegen Diphtherie, Pertussis, Tetanus, Polio­mye­litis, Haemo­philus influ­enzae Typ b und Hepatitis B hat maßgeblich dazu beigetragen, die Krank­heitslast massiv zurück­zu­drängen. Auch bei Pertussis (Keuch­husten) ist ein starker Rückgang zu verzeichnen. Dennoch werden jährlich etwa 450 Pertus­sis­fälle bei ungeimpften oder nicht ausrei­chend geimpften Säuglingen in Deutschland gemeldet.

Oftmals möchten Eltern ihre jungen Säuglinge aus Sorge vor einer Überfor­derung des Immun­systems möglichst spät impfen. Sie bedenken dabei nicht, dass gerade diese impfprä­ven­tablen Erkran­kungen im jungen Säuglings­alter besonders gefährlich sind und Impfungen die einzige sichere Schutz­mög­lichkeit bieten. Es ist die tägliche Aufgabe der Pädiater, diese Sorgen im Gespräch aufzu­greifen und die Vorteile eines frühzei­tigen Impfbe­ginns zu erklären.

Impfungen gehören zu den wichtigsten und wirksamsten präven­tiven Maßnahmen, die in der Medizin zur Verfügung stehen. Moderne Impfstoffe sind gut verträglich, schwer­wie­gende sogenannte unerwünschte Arznei­mit­tel­wir­kungen nach Impfungen sind sehr selten. Es gibt keine Hinweise darauf, dass Mehrfachimpf­stoffe die Immun­abwehr überlasten.

Textquelle: Susanne Glasmacher, Robert Koch-Institut

Bildquelle: Vater mit Tochter. Foto: Kiefer.Wolfowitz, Lizenz: CC BY-SA 3.0