Mehr Spender­herzen verpflanzt

In den letzten zehn Jahren ist Anzahl der herzchir­ur­gi­schen Opera­tionen bei Patienten der Alters­gruppe 70+ deutlich angestiegen. Im Jahr 2019 waren 33,5 Prozent der Patienten 70 bis 79 Jahre; Foto: Eine alte Frau füttert Möwen am Meer. Fotograf: Gordito1869 edited by Alchemist-hpEigenes Werk, Lizenz: CC BY 3.0

Mehr Spender­herzen verpflanzt

Die alljährlich publi­zierten herzchir­ur­gi­schen Zahlen und Fakten der Deutschen Gesell­schaft für Thorax‑, Herz- und Gefäß­chir­urgie e.V. (DGTHG) zeigen die bundes­weite, herzchir­ur­gische Versorgung auf konstant hohem Niveau. Leichter Anstieg der herzchir­ur­gi­schen Opera­tionen im Vergleich zum Vorjahr.

Die herzchir­ur­gi­schen Leistungs­zahlen – katego­ri­siert nach Eingriffen und Überle­bens­raten – werden alljährlich von der Gesell­schaft für Thorax‑, Herz- und Gefäß­chir­urgie (DGTHG) veröf­fent­licht. Bundesweit ist die durch­gängig flächen­de­ckende Patien­ten­ver­sorgung durch die 78 etablierten Fachab­tei­lungen für Herzchir­urgie und insgesamt ca. 980 tätigen Fachärzte für Herzchir­urgie gesichert. Im letzten Jahr ist die Gesamtzahl der Herz-Opera­tionen im engeren Sinne leicht um 1,8 Prozent angestiegen und liegt bei 100.446 Eingriffen (2018: 98.707). Inklu­diert man alle erfassten Eingriffs­ka­te­gorien und zählt Herzschritt­macher- und Defibril­lator-Eingriffe, sowie die Opera­tionen der herznahen Haupt­schlagader ohne Einsatz der Herz-Lungen-Maschine dazu, summiert sich die Gesamtzahl auf 175.705 im Jahr 2019 (Eingriffe im Jahr 2018: 174.902).

Deutlich höheres Alter der am Herzen operierten Patienten

In den letzten zehn Jahren (2009–2019) ist Anzahl der herzchir­ur­gi­schen Opera­tionen bei Patienten der Alters­gruppe 70+ deutlich angestiegen. Trotz der jährlichen Zunahme älterer Patienten in den herzchir­ur­gi­schen Fachab­tei­lungen, blieben die Krankenhaus-Überle­bens­raten in den einzelnen Eingriffs­ka­te­gorien durchweg stabil. Im Jahr 2019 waren 33,5 Prozent der Patienten 70 bis 79 Jahre; 18,6 Prozent sogar 80 Jahre und älter. Die Gruppe der über 80jährigen nahm im vergan­genen Jahr um 6,2 Prozent zu und machte 18,6 Prozent aller operierten Herzpa­ti­enten aus. Die nahezu gleich­blei­bende Überle­bensrate von ca. 97 Prozent spiegelt die erfolg­reiche sowie quali­tativ hochwertige herzchir­ur­gische Versorgung von älteren und hochbe­tagten Patienten.

Koronare Bypass-Opera­tionen stiegen leicht an

Für das Jahr 2019 ist ein leichter Anstieg der isolierten koronaren Bypass-Opera­tionen von 0,66 Prozent auf 34.224 zu verzeichnen (2018: 33.999) bei gleich­zei­tigem Anstieg (0,2 Prozent) der Überle­bensrate auf 97,3 Prozent. Die Durch­führung der koronaren Bypass-Opera­tionen mit weiteren Proze­duren lag 2019 bei 9.869 im Vergleich zum Vorjahr 2018 mit 10.264.

Herzklap­pen­ein­griffe steigen seit Jahren an

Bundesweit ist die Aorten­klap­pens­tenose derzeit die häufigste invasiv thera­pierte Herzklap­pen­er­krankung, gefolgt von der Mitral­klap­pen­in­suf­fi­zienz. Wurden 2018 noch 34.915 isolierte Herzklappen-Opera­tionen gezählt, waren es im vergan­genen Jahr bereits 36.650 – eine Steigerung von ca. 4,7 Prozent. Der überwie­gende Teil der Herzklappen-Opera­tionen betrifft die Aorten­klappe. Bei 9.391 Patienten wurde im letzten Jahr eine isolierte herzchir­ur­gische Aorten­klap­pen­ope­ration mit Anwendung der Herz-Lungen-Maschine durch­ge­führt (2018: 10.022). In weiteren 1.358 Kombi­na­tions-Eingriffen wurde die Aorten­klappe ersetzt und gleich­zeitig auch die Mitral­klappe rekon­struiert oder ersetzt. Durch den Einsatz kathe­ter­ge­stützter Thera­pie­ver­fahren stieg die Zahl der Eingriffe bei Patienten mit erwor­benen Herzklap­pen­er­kran­kungen in den letzten zehn Jahren spürbar an. Die Entscheidung für eine herzchir­ur­gische Operation oder das kathe­ter­ge­stützte Thera­pie­ver­fahren erfolgt anhand wissen­schaft­licher Leitlinien, in denen u.a. ein etabliertes inter­dis­zi­pli­näres Herzteam obligat ist.

Rekon­stru­ierte Mitral­klappe ist Goldstandard

Bei den 6.419 (2018: 6.222) isolierten Mitral­klappen-Opera­tionen setzte sich der Trend der letzten Jahre fort: Bei rund zwei Drittel bzw. 64,5 Prozent (+0,2% im Vergleich zum Vorjahr mit 64,3%) der Opera­tionen konnte die patien­ten­eigene Mitral­klappe rekon­struiert werden, wobei die Überle­bensrate bei 98,9 Prozent lag. In den übrigen 2.279 Eingriffen wurde die Mitral­klappe herzchir­ur­gisch durch eine Prothese ersetzt. Dies auch vor dem Hinter­grund, dass nicht jeder Herzklap­pen­fehler für eine Rekon­struktion zugänglich ist. Die In-Hospital-Überle­bens­raten stieg auf 99,2 Prozent für die Rekonstruktionen.

Herzun­ter­stüt­zungs­systeme als alter­native Therapie

Die Zahl der implan­tierten Herzun­ter­stüt­zungs­systeme für schwerst-herzin­suf­fi­ziente Patienten ist von 942 im Jahr 2018 auf insgesamt 953 im vergan­genen Jahr angestiegen, wobei die sog. Links-/Rechtsherz-Unter­stüt­zungs­systeme bei 97 Prozent der Patienten zum Einsatz kommen (924 L/RAVD im Vorjahr: 903). Eine eher unter­ge­ordnete Rolle spielen die biven­tri­ku­lären Herzun­ter­stüt­zungs­systeme mit einer Zahl von 14 Implan­ta­tionen in 2019 (Vorjahr: 16) und die sogenannten Kunst­herzen (Total artificial heart) mit verpflanzten 15 TAH in 2019 (2018:23).

Mehr Spender­herzen verpflanzt

Erfreu­li­cher­weise ist die Anzahl der Spender­herzen und damit die Zahl der Herztrans­plan­ta­tionen um 6,7 Prozent gestiegen: von 312 (2018) auf 333 im vergan­genen Jahr. Die DGTHG begrüßt die steigende Organ­spen­de­be­reit­schaft und weist gleich­zeitig darauf hin, dass rund 10.000 Menschen bundesweit auf ein geeig­netes Organ warten. Mit der eigenen Kampagne der Fachge­sell­schaft, gestartet im Februar 2020, wollen die Herzchir­ur­gen­Innen weiter für das Thema sensi­bi­li­sieren, denn bis dato gibt es keinen adäquaten Ersatz für das mensch­liche Herz.

Die gesamte Leistungs­sta­tistik (Folien und Report) steht zum kosten­freien Download unter:

https://www.dgthg.de/de/dgthg_leistungsstatistik

Textquelle: Regina Iglauer-Sander, Deutsche Gesell­schaft für Thorax‑, Herz- und Gefäß­chir­urgie e.V.

Bildquelle: In den letzten zehn Jahren ist Anzahl der herzchir­ur­gi­schen Opera­tionen bei Patienten der Alters­gruppe 70+ deutlich angestiegen. Im Jahr 2019 waren 33,5 Prozent der Patienten 70 bis 79 Jahre; Foto: Eine alte Frau füttert Möwen am Meer. Fotograf: Gordito1869 edited by Alchemist-hpEigenes Werk, Lizenz: CC BY 3.0