Corona: Genesen, aber nicht geschützt

Erfolg­reich: Dr. Berislav Bosnjak (rechts) und Professor Dr. Reinhold Förster (links) in einem Labor der Medizi­ni­schen Hochschule Hannover (MHH) mit dem neuen Testver­fahren. Foto: Karin Kaiser / MHH

Corona: Genesen, aber nicht geschützt

Infek­tionen mit dem Corona­virus SARS-CoV‑2 können sehr unter­schiedlich verlaufen: Während einige Menschen keine Symptome haben, erkranken andere schwer. Eine wichtige Frage, die sich nach überstan­dener Infektion oft stellt, ist, in welchem Umfang neutra­li­sie­rende Antikörper gegen das Virus gebildet wurden, da nur diese den Körper vor erneuter Infektion schützen können.

Um neutra­li­sie­rende Antikörper nachzu­weisen, werden meist infek­tiöse Viren, lebende Zellen sowie Labors mit hohem Sicher­heits­standard benötigt. Aufgrund der sehr hohen Anfor­de­rungen dieses Tests können nur sehr begrenzt Blutproben von Genesenen auf das Vorhan­densein neutra­li­sie­render Antikörper im Blutserum unter­sucht werden. »Um das zu ändern haben wir ein sehr einfaches und schnelles Verfahren entwi­ckelt, für das lediglich zwei für den Infek­ti­ons­prozess wichtige Proteine benötigt werden: Das Spike-Protein des Virus und das Protein ACE2 der Zelle. Wenn die Bindung des Spike Proteins an ACE2 durch Serum­an­ti­körper unter­drückt wird, so sind diese Antikörper auch in der Lage, die Infektion von Zellen mit dem Virus zu verhindern«, sagt Dr. Berislav Bosnjak vom Institut für Immuno­logie der Medizi­ni­schen Hochschule Hannover (MHH). Er ist Erstautor der dazu in der Fachzeit­schrift Cellular and Molecular Immunology jetzt publi­zierten Studie.

Neuer Test kann für die Klinik weiter­ent­wi­ckelt werden

»Mit Hilfe des von uns entwi­ckelten Tests ist es nun möglich, in klini­schen Studien eine Vielzahl von Patien­tinnen und Patienten über eine längere Zeitspanne zu unter­suchen, und festzu­stellen, wie lange diese so wichtigen Antikörper im Blut vorhanden sind«, betont Professor Dr. Reinhold Förster, Leiter des MHH-Instituts für Immuno­logie und Senior­autor der Studie. Noch sei das neue Verfahren nur für die Forschung verfügbar. Es könne jedoch poten­ziell so angepasst werden, dass es künftig auch für Routi­ne­un­ter­su­chungen verwendet werden kann.

Sowohl mit dem bishe­rigen als auch mit dem neuen Verfahren konnte das Team zeigen, dass etwa zehn Prozent der SARS-CoV-2-Infizierten keine schüt­zenden Antikörper im Blut hatten. Dies betraf in erster Linie Infizierte, die nur geringe Symptome zeigten und nur für kurze Zeit krank waren. Hingegen entwi­ckelten vor allem die Patienten viele Antikörper, die stärkere Symptome hatten und länger erkrankt waren. »Noch ist unklar, welche Mengen an neutra­li­sie­renden Antikörpern benötigt werden, um Genesene vor einer erneuten Infektion zu schützen. Mit dem jetzt vorhan­denen Test wird es aber möglich sein, diese wichtige Frage schneller zu beant­worten«, sagt Professor Förster.

Stichwort: Neutra­li­sie­rende Antikörper

Von den Antikörpern, die Menschen nach einer erfolg­reich überstan­denen Infektion mit SARS-CoV‑2 im Blut haben, sind die neutra­li­sie­renden Antikörper besonders effektiv. Sie sind eine besonders wichtige Antikörper-Gruppe, denn sie docken am Virus an und verhindern, dass das Virus in die mensch­lichen Zellen eindringt und sich dort vermehrt. Neutra­li­sie­rende Antikörper können das Virus also ausschalten.

Origi­nal­pu­bli­kation:

https://www.nature.com/articles/s41423-020–00573‑9

Textquelle: Stefan Zorn, Medizi­nische Hochschule Hannover

Bildquelle: Erfolg­reich – Dr. Berislav Bosnjak (rechts) und Professor Dr. Reinhold Förster (links) in einem Labor der Medizi­ni­schen Hochschule Hannover (MHH) mit dem neuen Testver­fahren. Foto: Karin Kaiser / MHH